Über Strafen und Gerechtigkeit...

Heute möchte ich über einen bestimmten Teil der Community-Arbeit schreiben. Einem Teil, der einer der wesentlichsten Bestandteile der Community-Arbeit ist. Zugleich ist er auch einer der Schwierigsten Teile, da hier oft sehr verschiedene Meinungen und Vorstellungen aufeinander treffen.
Es geht um den Teil, der die Zufriedenheit und den Frieden innerhalb der Community garantieren soll. Oder konkreter: Darum, wie (und ob) über Strafen der "Gerechtigkeit" genüge getan wird (/werden kann), sowie darum, mit welchen Regeln wir unser Miteinander gestallten wollen.


In meiner Funktion als Whitelist-Supporter habe ich mit einem Teil dieser Arbeit nichts direkt zu tun - ich bearbeite keine Regelverstoß-Fälle 8o.

Durch die Support-Arbeit im Teamspeak, Meinungsaustausch im Teamspeak und Forum, und auch durch die Ausarbeitung von Regeln komme ich jedoch auch nicht wirklich darum herum :rolleyes::D.

Es ist insgesamt keine einfache Aufgabe, gerade wenn es um das Bearbeiten von Regelverstoß-Fällen geht und ich muss an dieser Stelle ein großes Lob an meine Teamkollegen aussprechen, die sich dieser Herausforderung regelmäßig stellen und sie in meinen Augen großartig bewältigen. :thumbup:

Schon das Verfassen von Regeln ist nicht so einfach, wie es sich vielleicht der ein oder andere vorstellt... (doch soll hier nicht weiter thematisiert werden! Vielleicht schreibe ich demnächst darüber mal noch einen Beitrag:/).
Die angemessene Sanktionierung der Übertretung dieser Regeln erfordert noch ein viel größeres Fingerspitzengefühl!


An dieser Stelle möchte ich etwas ausholen und die allgemeine Frage nach dem Sinn von Strafen aufwerfen. Im Wesentliche unterscheidet man bei der Strafrechtstheorie zwischen der absolute und relative Strafrechtstheorie. Die relativen Straftheorien legitimiert die Strafe als Mittel der Prävention, die absolute Straftheorie als Vergeltung der Schuld und als ein Erfordernis der Gerechtigkeit, "weil nur so die Ordnung des menschlichen Zusammenlebens und Herstellung eines relativen Rechtsfriedens besteht" [vgl. A. Montenbruck 2017 - Deutsche Straftheorie‎]. Im heutigen Strafvollzug steht die Resozialisierung im Vordergrund und nicht der Vergeltungs- oder Racheaspekt.


Was im heutigen Strafvollzug als normatives Ziel gilt, sollte auch Handlungsmaxime für die Community-Arbeit sein. So weit ich das einschätzen kann entsteht der überwiegende Teil der gemeldeten Regelverstöße auf dem Rasselbande-Server nicht durch ein Absichtliches sich über die Regeln hinwegsetzten. Insbesondere wenn es um "Regelverstöße mit Todesfolge für Spieler" geht. Anders verhält sich das z.B. bei Regelverstößen wie dem Platzieren von Lagern in Teilen der Karte, die auf normalem Weg anderen Spielern nicht zugänglich sind (z.B. in Steinfelsen, in Hauswänden o.ä.). In diesem Fall setzten sich Spieler absichtlich über die gelten Regeln hinweg.

Die meisten Spieler bei Regelverstößen mit Regelwidrigem Beschuss oder gar Todesfolge sind sich häufig nicht bewusst, dass sie gegen eine Regel verstoßen:

- Sie verschätzen sich z.B. bei der Distanz der Hörreichweite des Ingame-Voice-Chats und glauben das ihre Überfall-Einleitung gehört wurde

- Sie interpretieren Schüsse und die Situation die sie beobachten fälschlicher Weise als "offenes PvP".

- Sie deuten das Verhalten ihres Überfall-Opfers falsch und schießen deswegen.

- uvm.


Stirbt ein Spieler in einer Situation, in der ein anderer Spieler nicht hätte schießen dürfen, empfinden er das häufig stärker negativ, als wenn er auf ein "Glitch-Lager" stößt oder von einem solchen hört.
Beide Situationen, "Regelwidriger Beschuss" und "Glitch-Lager" stellen zweifelsfrei einen Regelverstoß dar, sind in meinen Augen jedoch sehr unterschiedlich zu bewerten.


In meinen Augen macht es nur in Fällen der absichtlichen, wissentlichen Regelübertretung Sinn harte Strafen zu verhängen. Leider verleitet das Maß der persönlichen Betroffenheit gerne dazu, von dieser objektiven Betrachtung abzurücken und auf Grund der persönlichen Schadens, die Situation anders zu bewerten.

Strafen sollen und müssen natürlich sein, aber es sollte berücksichtigt werden inwieweit der "Täter" (1) mit Absicht, (2) Wissentlich oder (3) mit einem Eventualvorsatz handelt (in letztgenanntem Fall hält der "Täter" die Verwirklichung eines Tatbestandes ernsthaft für möglich - also das er Regelwidrig einen Spieler beschießen könnte - findet sich aber mit diesem Risiko ab).

Es kann keine Lösung sein, jeden Spieler direkt für einen Regelübertritt aus der Community auszuschließen. Vielmehr sollten wir Spielern die Chance auf Besserung geben und erst als ultima ratio einen Ausschluss aus der Community erwägen.

Kommentare 2

  • Sehr ansprechender Text, nur wo wird die Grenze gezogen?

  • Sehr schön formuliert. Schliese mich an.