Die Zeit vergeht

Tag 6, circa 18:00 Uhr


Ich habe total das Zeitgefühl verloren. Draußen ging gerade die Sonne unter, oder vielmehr das Licht weg. Bei dem Nebel hier war von Sonne in den letzten Tagen keine Rede. Es geht mir gut, auch wenn das zwischenzeitlich schon mal anders aussah. Eines steht fest: Ich bin definitiv nicht mehr in Deutschland, vielleicht sogar nicht mehr in Europa. Irgendwas lässt die Toten wandeln. Oh, wenn es nur das Wandeln wäre. Es lässt sie die Lebenden jagen! Ich weiß, das klingt, als hätte ich meinen Verstand verloren und vermutlich habe ich das, aber es ändert nichts daran, dass mich eines dieser Wesen fast gebissen hätte.


Ich näherte mich einer Farm - weit und breit niemand zu sehen. Auch keine Tiere. Nichts. Als ich durch die Ställe lief und versucht habe, auf mich aufmerksam zu machen, stand plötzlich ein dicker älterer Mann mit Schlapphut und Unterhemd in Gummistiefeln vor mir. Ich dachte erst, sein zorniges Schnaufen sei meiner unerwünschten Anwesenheit geschuldet, aber wie sich herausstellte, war meine Anwesenheit mehr erwünscht, als mir lieb war... Er stürmte auf mich zu und als ich in seinen Augen nur diese weiße Leere erkannte, war es auch schon fast zu spät. Ich rannte wie vom Teufel gejagt. Ja, wer weiß. Der Teufel trägt in diesem Land vielleicht Unterhemden und Gummistiefel? Keine Ahnung wie, aber ich bin über ein paar Weidezäune gesprungen und irgendwann hat das Ding von mir abgelassen. Es scheint ein Problem mit manchen der Zäune zu haben, die es dann erst umläuft und so konnte ich es dann schließlich abhängen.



Tag 7, circa 13 Uhr


Die Sonne steht ziemlich steil, es ist entweder Mittag oder kurz danach. Die Nacht war wie viele zuvor auch. Windig, kalt, unruhig. An die Geräusche in der Gegend werde ich mich nie gewöhnen. Ich bin weiter in Richtung Norden unterwegs. Was mir auffällt ist, dass die ehemaligen Bewohner hier einen sehr einheitlichen Kleidungsstil zu haben scheinen. Ich habe jetzt schon drei mal das exakt gleiche Kleid gefunden! Wirklich. Exakt gleich! Auch andere Dinge scheinen sich wie ein Ei dem anderen zu gleichen und überall liegt dieses Klebeband herum. Ich habe mal vorsorglich eine Rolle mitgenommen und auch eines der Kleider. Ich habe stundenlang nach einem Stein gesucht, um es in Bandagen zu zerschneiden. Erfolglos. Unfassbar, wenn man bedenkt, dass ich hier an einem Kiesstrand herumlaufe.



Tag 7, circa 19 Uhr


Schüsse! Ich schwöre bei Gott, ich habe Schüsse gehört! Ich bin bei Gott kein Experte, aber es waren definitiv zwei verschiedene Waffen. Irgendein kleines Kaliber und etwas, das klingt wie eine der Kanonen auf der Bounty... ich habe mich auf einem Hochsitz verkrochen. Mir war wohler bei dem Gedanken, heute nacht eher zu frieren, als in einem Haus in dem sich nur eine der drei Türen öffnen lässt, überrascht zu werden. Das wird keine angenehme Nacht. Aber das passt irgendwie. Nichts von all dem ist irgendwie angenehm.

Kommentare 1

  • Männlein erinnert irgendwie an Fallout 4 ^^